Es war etwas vor 12 Uhr als ich am Mittwoch, den 19ten Juli erneut vor den Türen von 7Geese (dt. 7 Gänse) stand. Ich kam als Bewerber auf die Stelle des Front-end Webentwicklers.
Ich wurde in den Gemeinschaftsraum des kleinen, aber wachsenden Unternehmens eingeladen. Das Büro liegt im Norden der Innenstadt und gewährt freien Blick auf die Bergkette im Norden. Ebenfalls in Sicht ist das Gebäude „Canada Place“, welches durch weiße Segel geschmückt ist und ursprünglich für die Expo ’86 eröffnet wurde. Die Ausstattung des Raums umfasst einen Esstisch, ein Sitzsofa, eine Küchenzeile und einen Tischtennistisch. Jeden Mittwoch treffen sich hier alle Kollegen zum gemeinsamen Essen. Viele der gesamt 24 Gesichter kannte ich bereits von meinem Interview am vergangenen Freitag.
Teil dieses Mittagsessens sind lehrreiche Vorträge der Kollegen. Deshalb nennt sich die Mittagspause auf „Lunch & Learn“. An jedem Tage stellte Dave die Geschichte und technischen Hintergründe von Emojis (z.B. 😉) vor. Emojis starteten in Japan als verschiedene Telefonanbieter Bilder in SMS-Nachrichten zuließen. Als das Unicode Konsortium die elektronische Übertragung aller Symbole vereinheitlichen wollte, wurden neben den Schriftzeichen aller Sprachen der Welt auch diese Grafiken mit aufgenommen. Über die Zeit wurden mehr und mehr Gesichter 😌, Objekte 🚗, Flaggen 🇩🇪 usw. zum Unicode-Standard hinzugefügt. Dave liebstes Emoji ist das Handzeichen für „Alles ok“: 👌.
Im Anschluss fand ich mich zusammen mit Tony und dem CEO Amin. Auch Amin hatte ich am vorhergehenden Freitag bereits in Türrahmen getroffen. Diesmal sollte ich mich ausführlicher vorstellen. In dem Interview ging es darum, wie ich und meine Situation in das Unternehmen passten. Ich war nicht die einzige Person, welche eingeladen wurde, sodass das Gespräch nach 15 Minuten vorüber war. 7Geese suchte mehrere Entwickler für unterschiedliche Positionen, sodass die zwei anderen Bewerber nicht in Konkurrenz zu mir standen. Ich wurde verabschiedet und sollte noch am selben oder dem folgenden Tag eine Antwort erhalten.
Da ich zu diesem Zeitpunkt weder Beruf noch eine eigene Wohnung hatte, erwartete ich die Antwort sehnsüchtig. Es half, dass zu diesem Zeitpunkt Victoria nach Vancouver kam. Sie hatte vor zwei Wochen ihrem Arbeitgeber den Bescheid über ihren Umzug gegeben. Endlich waren wir wieder zusammen und würden von nun an die Zeit gemeinsam verbringen. Freitagabend erhielten wir die Zusage unseres zukünftigen Vermieters… aber dazu später mehr. Zur Feier gingen wir alle in eine Karaokebar. Da ich bei den angebotenen, englischen Liedern nicht textsicher war, sang ich nicht. Gegen 22 Uhr kam die erwartete E-Mail vom Unternehmen mit Gänsen im Namen: „We are excited for you to join the flock.“ (Wir sind erfreut, dass du dem Vogelzug beitrittst.)

Diesen Mittwoch startete ich dort. Ich freue mich wahnsinnig über meine Arbeit und Kollegen. Mein Arbeitsplatz ist an einem Tisch mit Dave. Da alle Entwickler in einem Raum sitzen, sind alle nah beieinander. Ich bekam einen Laptop gestellt und kann nun theoretisch von überall arbeiten. Die Vorstellung vom Arbeitsplatz am Strand ist zwar unrealistisch, aber möglich. Viel wahrscheinlicher werde ich von nun an viele Tage im Büro verbringen. Die Gesellschaft ist dort sowieso besser als zwischen Millionen Sandkörnern. Mehr zu meiner Arbeit folgt in einem anderen Beitrag.
